Etwa zehn Prozent können nur noch als Müll entsorgt werden. Bis zu 40 Prozent der Ware wird re- oder downgecycelt, zu Putzlappen etwa, zu Füllmaterialien oder Dämmstoffen. Gebrauchte Kleidung für Upcycling – eine gute Idee Und genau bei diesen vierzig Prozent kommt nun das Tochterunternehmen I :CO ins Spiel. Ihre Idee ist, dass es doch viel schöner wäre, aus gebrauchter Kleidung wie einem alten T-Shirt wieder ein neues T-Shirt zu machen, statt es zu einem Putzlappen zu zerschneiden. Oder aus einem kaputten Turnschuh einen neuen statt eines Bodenbelags. Upcycling nennt sich das in der Fachsprache. Das Unternehmen sammelt ausdrücklich nicht nur gebrauchte, sondern auch kaputte Kleidung ein, während Straßencontainer hier auf den Hausmüll verweisen. I : CO ist aber selbst kein Recycling-Betrieb. Die rund zwanzig Mitarbeiter wollen vielmehr als eine Art „Brain“ fungieren und weltweit möglichst viele potentielle Teilnehmer der Upcycling-Idee vernetzen: Von der Industrie, die bereits beim Entwurf ihrer Produkte an deren nächstes Leben denken muss, über Technologien zur automatischen Trennung der Komponenten bis zu Recycling-Werken überall auf der Welt. Mit dem alle zwei Jahre ausgeschriebenen „I:CO Award“ existiert außerdem eine gewisse Investition in die Erforschung neuer Upcycling-Ideen. Sinn macht es auch, dass I:CO über ein Pilotprojekt in Kenia den Aufbau von Recycling-Systemen in der dritten Welt unterstützt – dort, wo die Secondhandware aus unseren Sammlungen mehrheitlich landet. Immerhin: Als erstes Ergebnis aus dem I:CO-System hat H&M gerade eine Jeans-Kollektion lanciert, die zu zwanzig Prozent aus recycelten, also gebrauchten Denim-Stoffen besteht. vierzehn Projekte ähnlichen Musters treibt I: CO nach eigenem Bekunden derzeit voran. Das ist schon gut, aber das Unternehmen wird sich in den nächsten Jahren natürlich daran messen lassen müssen, wie viele dieser Ideen es in die Realität schaffen. Bis Jetzt beobachten Fachleute diese Idee mit einer gewissen Skepsis. Kritiker fürchten unter anderem, dass die Praxis, Einkaufsgutscheine gegen gebrauchte Kleidung auszugeben, das eigentliche Grundübel – der steigenden Konsum immer billigerer Mode – erst recht anheizen, weil der Kunde neben der Kasse sein Gewissen erleichtert und dafür auch noch einen Bonus erhält. Jedem Spender muss klar sein: Getragene Bekleidung, die man hier abgibt, geht an ein gewerbliches Unternehmen, das in die eigene Tasche wirtschaftet. Alternativen für gebrauchte Kleidung Wer also möchte, dass der Erlös aus seiner Spende allein karitativen Zwecken zugute kommt, der sollte sie direkt in einem Sozialkaufhaus abgeben oder in einen Altkleidercontainer werfen, bei dem er sicher ist, dass er von einem gemeinnützigen Sammler betrieben wird. Allerdings: Irgendwann, nach ihrem zweiten oder dritten Leben, landet auch diese Kleidung im Container bzw. hat als Secondhandware in Afrika ausgedient. Und spätestens dann stellt sich – siehe oben – erneut die Frage, ob ihr Rohstoff nicht zu wertvoll ist für den Müll. zweitausendvierzehn hat übrigens der Versandhaus die Aktion „Platz schaffen mit Herz“.
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